Aktuelles: EHEC und Massentierhaltung

31.05.2011 Es gibt keinen Zusammenhang zwischen übermäßigem Antibiotikaeinsatz in der industriellen Intensivtierhaltung ("Massentierhaltung") und den aktuellen Erkrankungen durch EHEC. Bei EHEC-Erkrankungen werden keine Antibiotika eingesetzt, um eine zusätzliche Gefährdung der erkrankten Personen zu vermeiden. PROVIEH diskutiert zurzeit offen mit Vertretern aus Landwirtschaft und Gesundheitswesen, ob es Verbindungen zwischen EHEC und der industriellen Intensivtierhaltung gibt.

Die Rückverfolgbarkeit von Produkten, das Entstehen pathogener Keime und ihre Verbreitung über die Lebensmittelkette sind dabei Schlüsselthemen. Die Bildung von Resistenzen gegen Antibiotika wurde zunächst auch angesprochen, kann aber in diesem Zusammenhang außer Acht gelassen werden. Sie spielt bei EHEC keine Rolle.

Bakterien wie Escherichia coli leben als Symbionten im Darm von Menschen und zahlreichen Nutztieren wie Rindern, Schweinen oder Hühnern. Normalerweise sind sie harmlos. Einzelne Stämme wie EHEC sind jedoch gefährlicher als die üblichen Colibakterien. Gelangen sie über den Kot in die Umwelt und von dort auf die Nahrung, können sie beim Menschen Durchfälle auslösen. Sie bilden Giftstoffe, die Blutzellen und Nierengewebe massiv schädigen. Das kann zum Tod der infizierten Personen führen. Im Fall von EHEC ist ein Antibiotikaeinsatz problematisch, nicht wegen möglicher Resistenzen gegen Wirkstoffe, sondern weil durch das Abtöten der Bakterienzellen die enthaltenen Giftstoffe freigesetzt werden. Das macht die Behandlung so schwierig.

Rückverfolgbarkeit ist unzureichend

Wie und wo das gefährliche Colibakterium in die menschliche Nahrung gelangte, ist immer noch nicht genau geklärt. Eine direkte Verschmutzung, beispielsweise über den Einsatz von Gülle, ist unwahrscheinlich. Weder menschlicher noch tierischer Kot wird zur Düngung von Gemüse eingesetzt. Verschmutztes Wasser allerdings kann als Eintragsmöglichkeit für Krankheitserreger nicht ausgeschlossen werden. In Trockenzeiten müssen Gemüsefelder bewässert werden. Entnimmt man dazu Wasser aus Flüssen oder Seen, können im Oberflächenwasser enthaltene Erreger auf die Pflanzen gelangen. Nicht ohne Grund werden Badegewässer regelmäßig auf ihre Keimbelastung untersucht. Eine Verunreinigung der Produkte kann aber auch überall dort geschehen, wo Menschen diese in die Hand nehmen und es an Hygiene mangelt. Um letztlich genau herauszufinden, wo die ursprüngliche Quelle der EHEC-Erreger sich befand, wäre eine lückenlose Rückverfolgbarkeit der potentiell belasteten Produkte hilfreich.