Pressemitteilung AbL Niedersachsen/Bremen: Ahlhorner Bürgervotum = Signal für weitere Agrarwende

Der Landesverband Niedersachsen/Bremen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) gratuliert den Bürgerinnen und Bürgern von Ahlhorn und der Bürgerinitiative MUT – Mensch-Umwelt-Tier zum eindrucksvollen Ergebnis der Bürgerabstimmung über den geplanten Masthühner-Großschlachthof der Firma Kreienkamp. Diese klare Ablehnung im Zentrum der Industrie-Geflügel-Lobby und im Wahlkreis der niedersächsischen „Ex-Agrarindustrieministerin“ Grotelüschen sei ein weiteres Zeichen für die gesellschaftliche Ablehnung einer weiteren agrarindustriellen Entwicklung mit ihren fatalen Auswirkungen auf Anwohner, Regionen, Bauernhöfe, Umwelt und Tiere. Der geplante Schlachthof in Ahlhorn sei zudem angesichts der Überproduktions-„Hähnchenblase“ im Verdrängungskampf der Geflügelkonzerne ebenso unsinnig wie der hochsubventionierte Geflügel-Schlachthof in Wietze (bei Celle) oder die geplante Erweiterung des Schlachthofs in Wietzen (bei Nienburg). Es sei richtig, dass die niedersächsische Landesregierung keine Großschlachthöfe mehr fördere und auf Mindestlöhne für alle Arbeitnehmer dränge.

AbL-Landesvorsitzender Ottmar Ilchmann verwies darauf, dass das bundesweite Bürgerinitiativen- und Verbände-Netzwerk „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ in den vier Jahren seit seiner Gründung nicht nur den Bau von Hunderten von Agrarfabriken verhindert habe, sondern auch massgeblich zur Veränderung der rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen beigetragen habe: Das Bundesbaugesetzbuch gebe den Gemeinden nunmehr das Recht, gewerbliche Großställe mit mehr als 1.500 Schweinemast-, 560 Sauen-, 30.000 Masthühner-, 15.000 Legehennen- und Puten- sowie 600 Rinder-Tierplätzen nicht mehr zu genehmigen. Diese Regelung müsse nun rasch auch auf solche Großställe ausgeweitet werden, die bisher noch als „landwirtschaftlich privilegiert“ gelten würden, weil sie irgendwo irgendwelche Flächen zugepachtet hätten.

Der noch von der alten CDU-FDP-Landesregierung erarbeitete Niedersächsische Tierschutzplan, der zum Teil längst überfällige EU-Vorschriften umsetze, werde nun von der rotgrünen Landesregierung konsequent umgesetzt und auf die nationale Ebene gehoben. Ein Umbauprogramm auf eine artgerechte und flächenverbundene Tierhaltung in mittelständisch-bäuerlichen Strukturen sei auch der entscheidende Hebel, den systematischen Antibiotika-Einsatz zu beenden, die regionalen Gülleüberschüsse abzubauen und faire Erzeugerpreise durchzusetzen. Die AbL zeigte sich überzeugt, dass die breite gesellschaftliche Bewegung für „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ künftig den Druck auf alle Parteien für die Umsetzung einer „sanften aber entschiedenen Agrarwende“ noch weiter erhöhen werde.

Foren: